Für diesen Sommer planten wir die nächste Stufe einer Bikereise, jene über die Berge, bekannt als Panorama Bike Nummer 2. Von Thun wollten wir via Schwarzsee, Gruyère und Les Paccots nach Montreux an den Genfersee gelangen. Wollten. Denn das Wetter war gegen uns.

Auf den letzten Metern vor dem Gurnigelpass
Auf den letzten Metern vor dem Gurnigelpass

Die Tour war geplant, wir waren bereit und freuten uns auf die Reise. Aber die Wetteraussichten waren wenig motivierend. Wenn man mehrere Tage mit dem Bike unterwegs ist, kann man einen Regentag noch verschmerzen. Wenn es aber an vier Fünfteln der Tage regnet, ist das definitiv kein Spass mehr. So reisen wir im Bewusstsein nach Thun, dass wir wohl am folgenden Tag wieder nach Hause fahren.

Von Thun auf den Gurnigel

Nach einer problemlosen Bahnfahrt machen wir uns in Thun bereit zur strengen ersten Etappe, die uns auf den Gurnigel führt. 1235 Höhenmeter stehen uns bevor. Wir radeln vorerst gemütlich südwärts, erst vor Amsoldingen geht es in mehreren Kehren hoch zum Dorf. Beim Amsoldingersee sehen wir gerade noch den Fuchs, bevor er sich im hohen Gras versteckt. Ein paar Meter weiter halte ich zum Fotografieren. Als ich mich nochmals umdrehe, steht der Fuchs wieder in der Wiese und beobachtet uns. Es geht stetig aufwärts, vorbei an stattlichen Bauernhäusern. Von Pohlern führt die Strasse abwärts nach Blumenstein, das wir aber nur am Rande streifen.

Es wird zäh

Nun geht es zur Sache. Am Waldrand machen wir nochmals Pause, bevor es nur noch aufwärts geht. Gewarnt sind wir jedenfalls.


Also machen wir uns auf den Weg. Tatsächlich geht es zünftig hoch. Mehr oder weniger gleichmässig steigend nehmen wir Kurve um Kurve. Ab und zu warten Fabian und ich auf Silvan und die Mutter. Ich gehe ihnen jeweils zu Fuss entgegen und schiebe Silvan. So kommen wir allmählich höher, die Steigung ist nie extrem, so dass ich immer einen Gang Reserve habe. Beim „Bärgli“ haben wir zum ersten Mal Aussicht ins Tal und auf unser Ziel, das Berghaus Gurnigel.

Nach einer kurzen Abfahrt geht es auf Asphalt wieder hoch. Beinahe verpassen wir das grossartige Panorama, das die Gantrischkette bietet mit Chrummfadeflue, Nüneneflue und dem Gantrisch. Ja ja, auch hier haben sie lustige Namen. Silvan findet, dass er plötzlich wieder gut möge. Tatsächlich, er lässt beinahe die Mutter stehen. Wir kommen flott voran, schon bald haben wir unser Ziel erreicht, das Berghaus Gurnigel. Bravo Jungs!

Unterschiedliche Auffassungen über die Route

Wir löschen auf der Terrasse erst mal unseren Durst, verdient haben wir das definitiv. Wir resümieren die Tour. Ich finde, die Fahrt durch den Wald war nicht soooo spannend, man muss das halt als sportliche Herausforderung ansehen. Silvan widerspricht mir vehement: „Das stimmt nicht, ich fand die Route sehr interessant. Überall diese Blumen, ich habe jede Menge bestimmen können.“ So ist er, der Silvan, selbst bei der grössten Anstrengung findet er noch Zeit, Pflanzen zu bestimmen.

Die Unterkunft ist einfach, es handelt sich um eine Militärunterkunft. Und zum ersten Mal darf ich auch in einem Offizierszimmer schlafen. Das Essen ist gut, nur hat der Koch ein bisschen wenig Mandeln ans Salz gemacht. Nach dem Essen schnappen wir nochmals frische Luft und umrunden kurz den Zigerhubel. Als hätten die Jungs noch nicht genug geleistet heute.

Gurnigel Downhill

Der nächste Tag startet leider so, wie es die Prognosen vorausgesagt haben: Es regnet. Somit ist es definitiv, wir fahren schon wieder nach Hause. Pünktlich zum Start strömt das Nass von oben. Fabian will unbedingt noch die gestrige Runde um den Zigerhubel fahren. Na ja, um diese Zeit und bei dem Wetter stören wir garantiert niemanden. Wir umrunden also den Hubel und fahren gen Gurnigelberg, wo es dann so richtig zu stürmen beginnt. So richtig Wetter zum Motzen und schlechte Laune haben. Wirklich?

„Jipiiiie!“ jauchzt Fabian und brettert den Weg runter, als wäre es trocken und sonnig. Beim nächsten Halt ermahne ich ihn, mit etwas weniger Risiko zu fahren, da es rutschig ist. Also fährt er von  nun an hinter mir, damit ich nicht sehe, was er alles anstellt. Nachdem ich nochmals das Gepäck gerichtet habe (ich habe eine Satteltasche, die am Rad schleift), fängt nun der Spass an: Ein Singletrail den Wald hinunter macht Laune.

Eine glimpflich verlaufene Panne

Nach einer Weile warte ich, um zu schauen, wo die anderen sind. Niemand hinter mir. Wird wohl nichts passiert sein, oder? Nach einer Weile kommt Silvan angefahren. „Bei Fabian hat sich das Hinterrad gelöst.“ Ich eile zurück. Gestürzt ist er zum Glück nicht, aber wir bringen das Rad nicht mehr richtig rein. Wir fixieren es so gut es geht, Hauptsache, er kann noch fahren. Weiter geht es auf dem Singletrail. Natürlich sind wir bei dem Wetter völlig alleine unterwegs, wer geht da schon raus? Wenn die wüssten…

Wir fetzen den Trail runter bis zur Stockhütte, wo der Trailspass fertig ist. Nun folgen Waldstrassen bis zur Stafelalp, von dort fahren wir auf Asphalt hinunter nach Wattenwil und der Gürbe entlang zum Bahnhof Burgistein, wo unsere Panoramabike vorzeitig endet. Schade. Andererseits hatten wir zwei tolle Tage. Und eines ist sicher: Wir kommen wieder und werden Montreux erreichen! Kaum zu Hause angekommen, prüfe ich die Anfahrt auf den Gurnigel mit dem Postauto. Fehlt nur noch die Zeit.

Info

Die Tour Thun – Gurnigel – Burgistein wurde aus der Not heraus geboren. Und war ein Volltreffer! Am ersten Tag verlangt sie eine gute Kondition, am zweiten sicheres Fahren auf Singletrails.

Start: Thun
Ziel: Burgistein Bahnhof
Strecke: Thun – Amsoldingen – Blumenstein – Gurnigel – Wattenwil – Burgistein
Distanz: 1. Tag: 26 Kilometer
2. Tag: 16 Kilometer
Höhenmeter: 1. Tag: 1235 Meter
2. Tag: 50 Meter
Dauer: 1. Tag: 3 ¼ Stunden
2. Tag: 1 Stunde
Schwierigkeit: Technisch mittel, Ausdauer schwer
Höhepunkte: Landschaft, Gantrischgebiet, Singletrail
Alternative: Eigentlich wäre ja die Fortsetzung nach Montreux die Alternative…

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.