Wyssi Flue, Schwarzgrätli, daneben grüne Schafweiden, Blauer Eisenhut, schwarzer, gelber und grauer Fels, rote Flechten: Auf dieser Tour treiben wir es bunt, es ist eine farbenfrohe Rundtour. Dass wir da gleich zwei Gipfel auf einer Tour besteigen, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Kletterfelsen bei der Winteregghütte

Start beim Sunnbüel

Wir entsteigen der Kabine der Sunnbüel-Seilbahn, die uns von Kandersteg hier hoch verfrachtet hat. Unser erstes Ziel, das Gällihorn, sieht man schon vom Dorf aus. Da fragt man sich sorgenvoll: Wie um alles in der Welt kommt man denn da als Wanderer hoch? Wie sich herausstellen wird, ist alles halb so wild. Wir folgen nun dem Wegweiser „Gällihorn“ und steigen zuerst mal zur Winteregghütte ab. Diese schmiegt sich an die mächtigen gelben Felsen. Wir wandern diesen entlang und bestaunen die Bohrhaken, die als Sicherungspunkte für die Kletterer dienen. Der Weg windet sich durch Arven, Lärchen und Fichten hindurch, wir fühlen uns wie Zwerge in einer Märchenlandschaft.

Der erste Gipfel ist geschafft

Allmählich zeichnet sich ab, wo der Weg durchführt, nämlich bis unter die senkrechten Felsen des Gällihornes, wo sich einige Kletterer bereit machen, um die klassische Route zu klettern. Der Tiefblick ist beeindruckend, es sieht aus, als würden wir just über Kandersteg stehen. Fehltritte sollten vermieden werden. Wer sich aber hier durch traut, schafft auch den Rest der Tour. Wir erreichen den Gratsattel, von dort dauert es noch eine halbe Stunde bis auf den Gipfel. Sieht die Vorderseite abweisend aus, so finden wir auf der Rückseite einen guten, aber immer noch steilen Wanderweg vor, so dass wir ohne zu klettern bald zuoberst stehen.

Erstes Ziel erreicht: Auf dem Gällihorn

Wir geniessen das Panorama mit Blick auf Kandersteg und das wilde Gasterental, dazwischen steht das Doldenhorn. Gleich gegenüber erheben sich die drei mächtigen Dreitausender Balmhorn, Altels und Rinderhorn. Gegen Süden erkennen wir die Gemmi und das Daubenhorn, auf der anderen Seite des Ueschenentales den Scherbenhaufen Tschingellochtighorn und den Gross Lohner.

Über den Grat

Nach einer ausgiebigen Pause setzen wir unsere Tour fort über den Ueschenengrat. Grat! Ausgesetzt, Absturz, Gefahr! Gemach, gemach: Es handelt sich hier um einen Wanderweg quer durch Schafweiden und schöne Blumen. Der eigentliche Grat verläuft nämlich einige Dutzend Meter über uns. Blauer Eisenhut, der bei den Bauern nicht beliebt ist, dafür das Auge des Wanderers erfreut, säumt den Weg. Aber nicht berühren, er ist sehr giftig, weshalb ihn die Schafe auch nicht fressen. Der Pfad schlängelt sich den Hang entlang, wir kommen schnell vorwärts. Vor uns sehen wir das Schwarzgrätli, unser übernächstes Zwischenziel. Wie es zum Namen kam, ist unschwer zu erkennen. Zur Wyssen Flue hin steigt unsere Route nochmals an.

Auf dem zweiten Gipfel

Wir blicken zurück und sehen die ganze Strecke vom Gällihorn her, die wir zurückgelegt haben, und sind beeindruckt. Noch eine kurze Leiter hoch, dann stehen wir praktisch auf dem Gipfel. Ein paar Felsen markieren den höchsten Punkt, wir rasten nochmals ausgiebig. Zur Gemmi hin entdecken wir den Daubensee. Wir steigen nun über das Schwarzgrätli ab und folgen dort dem Wegweiser ins Hotel Schwarenbach. Unter der Wyssen Flue halten wir nochmals und nun wird auch dieser Name klar: Gewaltige Überhänge aus weissem Fels lassen uns staunen, noch mehr, als wir im linken Teil davon auch Kletterrouten entdecken.

Im Schwarenbach leeren wir eine grosse Flasche Rivella in kurzer Zeit. Nun steht uns noch der Rückmarsch ins Sunnbüel bevor. Die ganze Zeit können wir den Ueschenengrat anschauen und staunen über die Distanz, die wir zurückgelegt haben. Eine Gedenktafel in der Ebene erinnert an ein Unglück Ende des 19. Jahrhunderts im September. Da wurden ein paar Einheimische durch einen Eisabbruch am Altels im Talboden erschlagen. Wir schauen hoch: Weit und breit ist kein Eis zu entdecken, nur schwarzer Fels. Dies bringt uns nochmals ins Grübeln. Trotzdem: Wandersteg, wir kommen wieder!

Auf dem Weg zurück zum Sunnbüel, hinten der Altels

Info

Start: Sunnbüel, Kandersteg
Ziel: Sunnbüel, Kandersteg
Charakteristik: Eine klassische Überschreitung mit zwei Gipfeln. Der Weg zum Gällihorn ist ein wenig ausgesetzt, wer aber diese Stelle meistert, ist auch für den Rest der Tour gewappnet. Schöne Aussicht auf die Berge rundum und ein Tiefblick auf Kandersteg.
Schwierigkeit: T3
Gipfelhöhe: Gällihorn 2284 müM, Wyssi Flue 2472 müM
Distanz: 11.5 km
Wanderzeit: 4 ½ – 6 h
Höhendifferenz: 840 m
Einkehren: Hotel Schwarenbach, Restaurant Sunnbüel
Übernachten: Diverse Möglichkeiten in Kandersteg, Hotel Schwarenbach am Gemmi-Wanderweg
Jahreszeit: Juni – Oktober
Karten: Karte 1:25 000 Blatt 1267 Gemmi
Route: 1. Teil: Bergstation Sunnbüel – Winteregghütte – Gratsattel – Gällihorn

2. Teil: Abstieg vom Gällihorn – Ueschenegrat – Wyssi Flue

3. Teil Abstieg von der Wyssi Flue – Schwarzgrätli – Schwarenbach – Sunnbüel

Achtung: Bis zum Schwarzgrätli gibt es keine Möglichkeit, die Tour abzukürzen.

Für Gemütliche:
  • Gällihorn retour (kurz, aber steil)
  • Arvenseeli
  • Schwarenbach
Für Sportliche: Überschreitung Gällihorn – Wyssi Flue, vom Schwarzgrätli Abstieg durchs Ueschenetal nach Kandersteg
Höhepunkte:
  • Zwei Gipfel
  • Panorama
  • Viele unterschiedliche Felsarten und –farben
Geocaches in der Nähe: GC2FP21, GC2YM9V (Multi), GC2YPXD, GC2Z15K, GC33WZ2, GC1F9EV
Dann gibt es noch…
  • Gemmi
  • Baden in Leukerbad
  • Daubensee
  • Oeschinesee
  • Gasterental
  • Klettergarten Winteregg
Links: www.kandersteg.ch
www.gemmi.ch
www.sunnbuel.ch

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