Hier können wir hochalpine Luft schnuppern: Gegenüber der Hütte fliesst der Turtmanngletscher ins Tal, das Bishorn erscheint uns als mächtiger Eisriese, die Vegetation wird zusehends spärlicher. Aber bereits der Weg in die Turtmannhütte bietet schon viel Abwechslung, rund um die Hütte wachsen wunderschöne Alpenblumen wie das Edelweiss und die Alpenaster.

Edelweiss gleich bei der Hütte

Start im Turtmanntal

Wir starten beim Vorderen Sänntum. Angesichts der angekündigten heissen Temperaturen wählen wir für den Aufstieg den Schluchtweg, der wenigstens ein bisschen Schatten verspricht. Durch den Lärchenwald dringt zwar auch die Sonne, aber man spürt trotzdem die Kühle der gespeicherten Feuchtigkeit. Heidelbeersträucher säumen den Weg, ein guter Grund, diese Variante zu wählen, wenn die Beeren reif sind. In der Schlucht können wir uns endgültig vor der Sonne verstecken, zumindest für eine kurze Zeit. Die Turtmänna hat sich hier durch den Fels gefressen, entsprechend steil fallen die Wände ab. Trittsicherheit und trockene Verhältnisse sind notwendig, da es kurz ziemlich ausgesetzt ist. Diese Stelle ist aber mit einem Geländerseil gesichert.

Steinadler über uns

Schon bald öffnet sich die Schlucht wieder. Wir überqueren eine Natursteinbrücke, von der man einen schönen Blick in die Schlucht werfen kann. Im Nu sind wir wieder auf dem normalen Hüttenweg. Ein einziger scharfer Pfiff ertönt von den Hängen über uns. Ein Murmeltier warnt. Dann muss wohl Gefahr aus der Luft drohen, jedenfalls aus Murmeltiersicht. Tatsächlich sehen wir einen Steinadler majestätisch kreisen! Das passt einem Turmfalken nicht, er attackiert den König der Lüfte immer wieder, bis dieser abdreht. Auf der Naturstrasse kommen wir schnell vorwärts, bald ist der Stausee erreicht. Name? Natürlich Turtmannsee! Auch erblicken wir jetzt den Turtmanngletscher, der vom Bishorn her fliesst.

Der Wanderweg führt rechts um den See, wir folgen trotzdem dem Weg links rum über die Staumauer. Dafür müssen wir dann einen Weg finden durch den Bach. Dies gelingt, und schon bald erreichen wir die  Materialseilbahn der Hütte. Hier teilt sich der Weg. Wir folgen nicht dem Steinmannliweg, der weit im Tal hinten kehrt, sondern dem direkten Weg hoch zur Hütte. Diese ist denn auch bald erreicht. Eine grossartige Szenerie bietet sich uns: Über dem Turtmanngletscher thronen Les Diablons, links vom Gletscher der Stierberg. Diese werden vom Bishorn überragt, einem Viertausender, der aus dieser Perspektive imposant wirkt. Nach einer kurzen Verschnaufpause lohnt es sich, ein wenig dem Wanderweg nach Osten zu folgen: Edelweiss, gleich büschelweise! Selbstverständlich schauen wir diese nur an. Auch das Schwarze Kohlröschen, eine Orchideenart, tritt hier massenhaft auf, ebenso die Alpenaster, Alpenmauerpfeffer, Alpen-Leinkraut und viele mehr. Ein wahres Paradies für Blumenliebhaber!

Um die Hütte

Am nächsten Tag erkunden wir die Umgebung. In den Felsen, die der Gletscher freigegeben hat, sind viele Kletterrouten entstanden. Wir steigen ab und überqueren auf einer luftigen Leiterbrücke den Bach. Gleich darüber befindet sich ein ideales Anfängerklettergebiet. Details sind auf der Website der Turtmannhütte oder dem Kletterführer, der in der Hütte erhältlich ist, zu entnehmen. Am Schluss probiert Fabian die lange Tyrolienne aus. Juchzend saust er auf die andere Seite der Schlucht, gesichert durch das Bremsseil. Das gefällt ihm so gut, dass er gleich noch ein paar Mal die Schlucht überquert. In der Turtmannhütte lässt sich problemlos ein ganzer Tag füllen. Wer jedoch mit der Sicherungs- und Klettertechnik nicht vertraut ist, sollte sich an einen Bergführer wenden. Wir kehren am späteren Nachmittag wieder zur Hütte zurück und bereiten uns auf die grosse Tour vor.

Abstieg

Für den Abstieg wählen wir nun den Steinmannliweg. Er ist weniger steil und daher bequemer. Eindrücklich sind die Schuttfelder, die der Gletscher hinterlassen hat. Der Bach sucht sich laufend einen neuen Weg durch die Geröllmassen. Bei der Talstation der Materialseilbahn wählen wir den Weg via Holustei. Dies bedingt einen Gegenanstieg, dafür haben wir immer noch eine tolle Aussicht und können im Schatten wandern. Beim Punkt 2343 zweigt der Weg links ab, in steilen Kehren gelangen wir zur Kapelle Holustei. Nach einer kurzen Rast setzen wir den Weg fort, bald erreichen wir den kühlen Wald. Über den wunderschönen und wenig begangenen Pfad verlieren wir schnell an Höhe und erreichen bald wieder das Vordere Sänntum.

Info

Start: Vorderes Sänntum
Ziel: Turtmannhütte
Charakteristik: Verschiedene Varianten:

  • Normalaufstieg: Über Alpstrasse zum Stausee, von dort zur Materialseilbahn, dann Steinmannliweg oder direkt hoch
  • Schluchtweg: Durch die Schlucht der Turtmänna, unterhalb Punkt 2040 wie Normalaufstieg
  • Via Holustein: Dem Wanderwegweiser folgen über Kapelle Holustein und bis Punkt 2348, dort rechts abbiegen Richtung Materialseilbahn
Schwierigkeit: T1 – T2+
Hüttenhöhe: 2519 müM
Distanz: 5 km
Wanderzeit: 2 – 3 Stunden
Höhendifferenz: Via Schluchtweg und Normalweg: 620 Meter
Via Holustei: 685 Meter
Einkehren: Turtmannhütte
Jahreszeit: Juni – Oktober
Karten: Karte 1:25 000 Blatt 1308 St. Niklaus
Route: Den Wegweisern folgen: Normalweg (T1), Schluchtweg (T2+) oder Holustein (T2)
Für Sportliche: Diese erklimmen am nächsten Tag die Barrhörner (siehe nächste Tour)
Höhepunkte:
  • Gletscher
  • Interessanter Aufstieg durch die Schlucht
  • Bergblumen
  • Hohe Berge
  • Klettern
  • Tyrolienne
  • Leiterbrücke zum Klettergarten
Dann gibt es noch…
  • Tour über das Schöllijoch in die Topalihütte
  • Naturpark Pfyn
  • Illgraben mit Bhutanbrücke
Links: http://www.turtmannhuette.ch/
http://www.turtmanntal.ch/sites/

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