Der Naturschutzverein BirdLife Reinach verliess für ein Mal das Tal und reiste per Bahn an den Bodensee, wo wir Wintergäste suchten auf der sogenannten Seetaucherstrecke, und zwar ziemlich erfolgreich, wie die lange Liste der Beobachtungen am Ende des Tages zeigte.

Winterexkursion am Bodensee

Eine lange Anreise

Die Zugreise vom oberen Wynental an den Bodensee zieht sich, aber sie ist immer noch viel gemütlicher und unterhaltsamer als mit dem Auto. Zu viert zuckeln wir nach Aarau, wo noch drei andere zusteigen inklusive Exkursionsleiter. Die Umsteigezeit reicht erst in Zürich für einen Kaffee-to-go im Imbiss „Ida & Frida“. Immerhin. In Weinfelden müssen wir nochmals umsteigen, aussteigen tun wir in Egnach. Kaum abmarschiert, hören wir einen Ruf, den wir nicht oft hören: Ein Grosser Brachvogel fliegt über uns hinweg. Nur ein paar Minuten später ist es ein ganzer Trupp von ungefähr 20 Vögeln.

In Egnach am See

Wir streben dem See zu, vorbei am Schloss Luxburg. das ursprünglich auf einer Insel stand. Durch Verlandung ist es jetzt aber 200 Meter vom See entfernt. Wir durchqueren einen Wald, hören dort den Gartenbaumläufer. Und schon von weitem hören wir auch die Singschwäne. Am Ufer stellen wir unsere Spektive auf und schauen, was sich so auf dem Wasser tummelt. Nebst den sechs Singschwänen sind auch noch Schellenten und Reiherenten sowie ein Gänsesäger zu sehen. Und natürlich überall Blässhühner und Stockenten. An der Spitze der Halbinsel, an der Mündung des Wiilerbachs, suchen wir weiter den See ab. Zu unserer Freude schwimmen da draussen ein Mittelsäger und ein Ohrentaucher, für mich eine Erstbeobachtung. Wäre schön, den mal im Prachtkleid zu sehen, aber dafür muss ich wieder in den Norden.

Durch Naturschutzgebiete nach Romanshorn

Wir gehen wieder zurück und folgen dem Wanderweg nach Romanshorn, der durch ein Naturschutzgebiet führt. Auf dem Dach des Schlosses klappern die Störche, auf einem Acker suchen zwei Nilgänse nach Nahrung. Diese sieht man nicht gerne, sie sind invasive Neozooen und machen einheimischen Enten Nahrung und die Brutplätze streitig. Über dem See fliegen grosse Entenschwärme, mal Reiherenten, mal Kolbenenten. Nach der Durchquerung des Auenwaldes sehe ich in einem Weidenstrauch zwei ungewöhnlich gefärbte Vögel, Rostbraune Brust und schwarz-grau gestreifter Kopf: Zippammern! Damit hat nun wirklich niemand von uns gerechnet. Neben der Zippammer huschen auch mindestens zwei Rohrammern in der Brache umher, ein Grünsprecht ruft aus den Bäumen.

Im Hafen von Romanshorn

Im Seebad legen wir wieder einen Halt ein und verpflegen uns bei strahlendem Sonnenschein. Auch hier tummelte sich wieder Wassergeflügel, Schnatterenten, Schellenten, Kolbenten und Haubentaucher schwammen da draussen, auf einer Schlickbank ruhten Kiebitze. Auch wir ruhen etwas und stärken uns, was die Rucksäcke hergeben. Anschliessend gehen wir weiter zum Hafen, wo wir uns in der Möwenidentifikation üben. Das kann sehr verzwickt sein, es gibt Zwei-, Drei- und Vierjahresmöwen, das heisst, es dauert zwei, drei oder vier Jahre, bis die Möwe ausgewachsen ist. Eine grosse Hilfe dazu ist das Möwenbuch, das wir aber natürlich nicht mitschleppten.

Der Tag ist schon fortgeschritten, statt einer Caféeinkehr besteigen wir den Zug nach Güttingen.

Seetaucher in Güttingen

Diese letzte Station liegt an der eigentlichen Seetaucherstrecke. Wir spazieren zum Hafen, unterwegs klappern wieder Störche im Horst, der Frühling scheint nicht mehr fern. Am Hafen sind schon andere Birder, wir beziehen auch einen Beobachtungsplatz. Schellenten tummeln sich wieder hier, auch Tafelenten und Kolbenenten sind zu Dutzenden auf dem Wasser. Auf den Holzpfählen sitzen Kormorane, trocknen ihre Flügel. Seeabwärts können wir bis Konstanz blicken, gegenüber liegt Friedrichshafen. Und mitten auf dem grossen See schwimmen ebenfalls Enten und Taucher, die allerdings trotz Fernrohr schwer zu bestimmen sind. In Sichtweite schwimmen einige Mittel- und Gänsesäger, ein einzelner Rothalstaucher macht die Aufwartung. Fünf Zwergtaucher schaukeln entspannt auf dem Wasser, sonst sieht man sie kaum jemals, weil sie länger unter als über Wasser sind.

Plötzlich rasen Blässhühner wie aufgescheuchte… Hühner übers Wasser. Was sie allerdings aufgescheucht hat, erschliesst sich uns nicht. Ein Gänsesäger gerät mitten in den Pulk, lässt sich aber nicht beirren. Tafelenten fliegen immer wieder in kleinen Trupps umher. Und dann entdecken wir sie: Die Prachttaucher, weit draussen, aber sicher identifizierbar. Es ist schon krass, wie unterschiedlich sie im Pracht- und Schlichtkleid aussehen:

Der Tag ist schon fortgeschritten, wir futtern unseren letzten Lunch, während Nik, der Exkursionsleiter, uns dazu einen frischen Kaffee kocht. Ja, tatsächlich, er hat Kocher und Bialetti dabei, da bleiben keine Wünsche offen. Mitten in die Entspannung platzt Silvan: „Wanderfalke!“ Tatsächlich fliegt ein Wanderfalke über uns hinweg und sorgt für Unruhe.

Wir haben heute fast alle Lappentaucher gesehen: Haubentaucher, Zwergtaucher, Rothalstaucher und Ohrentaucher. Fehlt noch einer: Der Schwarzhalstaucher. Und prompt entdeckt Nik sie weit draussen, gleich sieben Stück. Auch sie sind im Schlichtkleid wesentlich unscheinbarer als im Prachtkleid:

Es wird Zeit zurückzukehren, der Zug fährt bald. Gut zwei Stunden haben wir wieder bis Aarau, aber es sind entspannte zwei Stunden. In Aarau beschliessen wir den gelungenen Anlass mit einem Nachtessen in einem Restaurant bei Bahnhof. Ein wunderbarer Tag klingt aus.

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