Nach langer, langer Zeit regnete es wieder mal. Zeit, uns auf die Suche nach dem Regengeist zu machen. Lies weiter, wenn du wissen willst, wer oder was der Regengeist ist. Er ist ein Grund, auch bei Regenwetter rauszugehen. Also, lesen, Regenjacke und wasserdichte Schuhe anziehen und raus!

Es regnete
Am Abend und in der Nacht davor hat es geregnet. Das ist die perfekte Zeit, um den Regengeist zu suchen. Er kommt nämlich nur hervor, wenn es geregnet hat, Sonne ist im ein Gräuel. Wir starten also in Innerarosa, diesmal haben wir den Bus genommen bis zur Talstation der Hörnlibahn. Gleich beim Start erweckt eine Krähe unsere Aufmerksamkeit. Sie ist nicht durchgehend schwarz wie die anderen Rabenkrähen, sondern hat noch graue Zeichnungen drin. Es handelt sich um einen Hybride zwischen Rabenkrähe und Nebelkrähe, also einen Mischling.

Wir gehen den Weg weiter, den Blick hauptsächlich auf den Boden gerichtet, denn dort entdeckt man den Gesuchten. Da vorne, das ist doch… Tatsächlich, der gesuchte Regengeist: Ein Alpensalamander! Warum Regengeist? Weil er sich nur bei Regen oder kurz danach hervorwagt. Seine Lebensweise hat sich, im Gegensatz zu anderen Amphibien, komplett von Gewässern gelöst, ist aber trotzdem auf Feuchtigkeit angewiesen. Auch die Fortpflanzung geschieht ausserhalb des Wassers. Das Weibchen trägt zwei befruchtete Eier im Leib. Darin leben dann auch die Larven, bis sie fertig entwickelt sind. Das dauert, je nach Umweltverhältnissen, zwei bis vier(!) Jahre.
Um den Schwellisee
Kaum gestartet, haben wir also unser Ziel bereits erreicht. Natürlich wandern wir trotzdem weiter, vorbei an der Ziegenweide wie die Woche zuvor. Dort tummeln sich Bluthänflinge, Bergpieper, eine Heckenbraunelle und eine Klappergrasmücke. Da wir genügend Zeit haben und kein festes Ziel, umrunden wir den Schwellisee. Der Himmel ist wieder dunkel. Ich sage noch zur Frau: „Dort oben regnet es bereits.“ Kaum gesagt, fallen auch bei uns am See die ersten Tropfen. Wir können gerade noch die Regenjacken anziehen, als es so richtig losschüttet. Der Schauer ist aber nur von kurzer Dauer, bald hört es wieder auf. Aber das gefällt den Alpensalamandern.
Rast bei den Schmetterlingen
Auf der Strasse steigen wir hoch bis Arva. Das Gebiet sieht so verlockend aus, dass wir hier eine Pause einlegen, oder eher eine Pseudopause. Denn Silvan macht sich gleich auf die Schmetterlingsjagd. Sein Traum ist der Hochalpen-Apollo. Die Raupenpflanze, der Fetthennen-Steinbrech, kommt hier zahlreich vor, es wäre nur logisch, wenn der Alpenapollo, wie er auch genannt wird, hier vorkommen würde. Tatsächlich müssen wir nicht lange warten: „Da ist ein grosser, weisser Schmetterling!“ rufe ich. „Ja, das ist einer!“, gibt Silvan zurück und rennt ihm hinterher. Dass das Gelände von mehreren Bachläufen durchzogen ist, macht die Verfolgung nicht einfacher. So bleibt es bei der Identifikation, Bilder gibt es keine.
Ein langer Weg zurück
Wir brechen auf, zurück Richtung Arosa. Aber nicht direkt hinunter, sondern zuerst etwas hoch zur Mutta. Hier finden wir weitere Alpensalamander auf dem Weg. Sie sehen träge aus, sind aber recht flink, wenn man sie fotografieren will. Die Landschaft ist karg, trotzdem finden wir auch hier Schmetterlinge, zum Beispiel den Hochalpen-Perlmuttfalter. Das Wetter ist recht wechselhaft, zuerst sieht es danach aus, als hätte sich die Sonne durchgesetzt, nur um kurz darauf einen Regenschauer loszulassen. Aber kaum haben wir die Regenjacken angezogen, hört es auch schon wieder auf. Nach dem Kulminationspunkt steigen wir ab, nähern uns dem Wald. Wunderschön sieht es hier aus, uralte Bäume stehen neben ganz jungen. Und kurz bevor wir wieder in der Wohnung sind, kommt nochmals so ein richtig kräftiger Regenschauer, damit wir auch sicher durchnässt zurückkehren. In der Wohnung machen machen wir uns einen Kaffee und geniessen ihn auf dem Balkon bei Sonnenschein. Nicht nur die Wanderung war abwechslungsreich.
Info
Der Alpensalamander ist in den Voralpen und im Alpenhauptkamm nördlich der Linie Rhone – Gotthard zu finden. In Graubünden kommt er mit Ausnahme des Engadins und der Bündner Südtäler überall vor. Erfreulich ist, dass er (noch) nicht gefährdet ist. Wie oben erwähnt ist die grösste Chance, ihn zu finden, wenn man auch mal bei Regen raus geht.
