Wir wollten ein altbekanntes Gebiet aus einem neuen Winkel kennenlernen, dem der Ornithologie. Dabei erlebten wir Überraschungen auf der Melchsee-Frutt, was aber zur Zugzeit üblich ist und die Sache spannend macht.

Birdwatching auf der Melchsee-Frutt

Da habe ich mir etwas eingebrockt: Für die Naturschutzvereine der Umgebung will ich mit Silvan zusammen einen Vortrag über Alpentiere machen. Um das Ganze nicht nur theoretisch zu erläutern, bieten wir 2027 eine Exkursion auf die Melchsee-Frutt an. So reservierten wir uns ein Wochenende, um die Gegend ornithologisch zu erkunden.

Voll rein in die Vogelwelt

Gemütlich gondeln wir zu Viert von der Stöckalp hoch zur Melchsee-Frutt. Wir haben es nicht eilig, machen unsere Geräte parat. Nur ein paar Meter vom Ausgang entfernt geht es los. Hausrotschwänze kennt man bei uns ja auch, dazu kommen hier noch Bergpieper und Steinschmätzer. Auch einen Schneesperling kann ich kurz ausmachen. Derweil ziehen die Massen an uns vorbei. Mit dem Lift fahren wir abwärts und biegen anschliessend in den Wanderweg ein. Diesen kenne ich noch gar nicht, ich bin bis jetzt immer oberhalb den Felsen entlang gegangen, um zu klettern.

Erster Höhepunkt

Das Gelände oberhalb des Wanderweges ist felsig, dazwischen wachsen Büsche oder gar Bäume. Da entdecke ich einen Vogel: Ein Wendehals! Er ist ein typischer Bewohner von Obstgärten und eher offenen Landschaften, aber sicher nicht des Gebirges. Aber es ist Zugzeit, da ist viel möglich. Thomas und Helen sind begeistert, es ist ihre erste Sichtung dieses Spechtvogels. Auch tummeln sich wieder jede Menge Steinschmätzer. Und dann taucht noch eine Seltenheit auf: Ein junger Steinrötel! Und es geht gleich weiter, drei Neuntöter sitzen in einem Busch. Auch diese Beobachtung ist ungewöhnlich auf dieser Höhe und in diesem Habitat. Da ist die Ringdrossel schon eher zu Hause, die wir ebenfalls noch sichten.

Horden an Wanderer ziehen an uns vorbei. Die meisten beachten uns nicht, einige fragen, was wir sähen. Wenn wir sagen, dass wir Vögel beobachten, gibt es drei Reaktionen: Die einen ziehen schon fast verärgert und wortlos weiter, die zweiten heucheln ein „oh, interessant!“ und ziehen weiter, die dritten sind ernsthaft interessiert. Denen erklären wir auch gerne, was wir sehen.

Der Felswand entlang

Nun wird das Gelände eintöniger, so auch die Vogelwelt, wir sehen kaum noch welche. Vor dem Tannsee folgen wir dem Wanderweg aufwärts. Er macht eine grosse Kurve und führt dann zurück Richtung Chringen, den Felswänden entlang. Hier wird es wieder interessant: Das ist die Heimat des Mauerläufers, der sein Leben in der Senkrechten verbringt. Immer wieder suchen wir die Felswände ab, müssen aber dabei achten, dass wir auf dem schmalen Pfad bleiben. Thomas und ich sind weit vor den anderen zwei. Dann sehe ich ihn: Den Mauerläufer! Er klettert in der Felswand herum, als wäre es nichts, stochert mit seinem pinzettenförmigen Schnabel nach Insekten und Spinnen in den Rissen. Ich rufe sofort Thomas, gemeinsam beobachten wir gebannt den wunderschönen Vogel. Die beiden anderen haben leider einen zu grossen Abstand, der Mauerläufer fliegt vorher davon. Thomas und ich steigen hoch zur Chringe und warten auf die Frauen.

Gemütlicher Ausklang im Bonistock

Nach einer Weile kommen sie auch dort an. Thomas reibt ihnen die Mauerläufer-Sichtung sofort unter die Nase, natürlich sind sie enttäuscht. Aber die Hoffnung lebt weiter, ihn nochmals zu sehen. Wir schauen noch, ob wir Stein- oder Schneehühner sehen, diese lassen sich aber nicht blicken. So wandern wir weiter über den Grat zum Hotel Bonistock, wo wir die Nacht verbringen werden. Nach dem Nachtessen gehen wir nochmals raus, nur schon, um die schöne Sonnenuntergangsstimmung zu geniessen.

Ereignisloser Sonntag

Am Sonntagmorgen stehen wir noch vor Sonnenaufgang auf, denn diesen wollen wir sehen. Pünktlich sind wir draussen und bestaunen das Ereignis, das wir schon tausendmal bestaunt haben. Es ist immer wieder faszinierend. Dann wir es Zeit fürs Frühstück und den Abstieg. Wir gehen wieder zur Chringe und queren diesmal unter den Felswänden durch, oberhalb des Wanderweges, den wir tags zuvor gegangen sind. Allerdings hat es jetzt mehr Kletterer als Vögel, wir sind bald wieder beim Lift vorne. Angesichts des Vogelmankos fahren wir zur Stöckalp ab und versuchen es dort nochmals im Wald, aber auch hier gibt es nichts Herausragendes. So trösten wir uns im Restaurant mit Kaffee und Kuchen, bevor wir nach Hause fahren. Auch schön.

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